Beiträge zum Stichwort »Sarrazin«
Donnerstag, 28. April 2011
Journaille
Wer ZAPP gesehen hat - übrigens eine der besten Sendungen im GEZ-Fernsehen - der weiß, wie Journalisten heute arbeiten. Ich pflege jetzt natürlich meine Vorurteile und was ich schreibe, trifft nur auf die Mehrheit dieser Berufsgruppe zu: Aus Schweine- oder Vogelgrippen wird sofort eine Pandemie gemacht, aus Paketchenbomben mit Puderzucker ein AlKaida-Terrorangriff und aus der Hochzeit von zwei Müßiggänger wird das epochale Jahrhundertereignis. Am besten ist das wieder am Sarrazin festzumachen. Ob die SPD den Sarrazin rausschmeißt oder nicht, interessiert die Bevölkerung nicht die Bohne. Die Journaille bläst das zum Hype hoch und suggeriert, dass dies das wichtigste Thema sei. Darauf fallen dann die Jusos rein und fordern den Rausschmiss, wie einst auch Sigmar, der in diesem hämischen Stern-Artikel richtig einen reingesemmelt bekommt (der Artikel ist, obwohl ich Sarkasmus und Polemik liebe, aber nicht mein Ding, weil er inhaltlich eiert). Ja liebe Jusos, der Sarrazin hat die SPD kaputt gefahren und nicht Schröder mit den Steinies und anderen Heinis, die sich jetzt bei Maschmeyer ihren Judaslohn abholen. Diese Brüder sind die wahren Sozialdemokraten?Heute Nacht kann ich nicht schlafen, aus lauter Vorfreude auf die Jahrttausendhochzeit. Ach, wenn das noch die Lady Di erlebt hätte!
Freitag, 22. April 2011
Die SPD schafft sich ab
So könnte ich mir den Titel des nächsten Buches von Thilo Sarrazin vorstellen. Was da als Schiedsverfahren ablief, war schon ulkig und der Kompromiss erschließt sich wahrscheinlich nur einem Volljuristen ohne aberkannten Doktortitel. Wenn aber die charismatische Nahles dazu die Klappe gehalten hat, dann war es ja per se schon mal was gutes. Der Sarrazin schreibt anspruchsvoll und ich behaupte, dass die Journaille, die über ihn hergefallen ist, das Buch entweder nicht gelesen hat, oder - und das ist wahrscheinlicher - es nicht verstanden hat.Der SPD sei ins Stammbuch geschrieben, dass sie die falschen Leute bekämpft. Schuld an der Misere dieser Partei sind die Kahlschläge an den Wurzeln unseres Sozialstaates. Nicht der Hartz IV Kram, sondern die Hiebe gegen die Arbeitnehmer, die den Spaß finanzieren. Wer die Altersversorgung der deutschen Bevölkerung den Maschmeyers und Konsorten in die Hände gespielt hat, ist ein Lump. Diese Bande ist leider nicht mehr verantwortlich zu machen, wenn die Riesterrentner mal am Schluss sehen, was von ihrem Geld übrig geblieben ist. Profiteure sind die Versicherungen, die Milliarden von Provisionen einstreichen - subventioniert mit Steuergeldern. Schröder, Müntefering, Clement, die Steinies und viele andere haben die Partei auf den Hund gebracht.
Gabriel (Siggi Pop) wird es nicht richten, die uncharismatische Nahles hat eine Negativausstrahlung und der Steinmeier ist vom Schröderbazillus infiziert. Wer jetzt in den Vordergrund gespielt wird - sie darf seit neustem immer neben Gabriel stehen, egal zu was er was sagt - ist dieser Koch-Mehrin-Typ. Der Guttenberg-Hype hat es allen gezeigt: Wer nichts auf der Pfanne hat, der muss wenigstens telegen sein. Weg mit Nahles, Heil und Siggi, her mit der Schwesig. Wenn man schon keine Programmatik hat, dann soll sie wenigstens adrett rüberkommen.
Mittwoch, 01. Dezember 2010
Klofrauen und Euro
Wenn man eine der Klofrauensendungen guckt, dann kommen immer wieder die gleichen Verdächtigen. Da taucht der Medienwissenschaftler Klaus Kocks, der Medienexperte Michael Spreng, oder der Büttel des Großkapitals, Michael Hüther immer gern und überall auf. Einen, den man in letzter Zeit nicht mehr so oft sieht, ist der Näsler Lauterbach. Bei immer gleichen Leuten, weiß man schon im voraus, welche Luftblasen zu erwarten sind. Bei manchen Gestalten steigt sofort der Adrenalinspiegel. Eine davon heißt Hans-Olaf Henkel. Da stellen sich alle Fußnägel. Die Neugier, welchen Käse der jetzt wohl wieder verzapft, obsiegt und in den seltensten Fällen wird man enttäuscht. Aber es geschehen noch Weichen und Zunder. Dann reibe ich mir die müden Augen und greife ein Wattestäbchen, um den Gehörgang zu reinigen. Dies war gestern der Fall, als besagter Olaf Henkel mal ganz unkorrekt das Strickmuster der Sarrazin-Debatten darstellte, wie es im Qualitätsfernsehen üblich ist: Man lädt nur Sarrazingegner ein und darunter ist immer eine hübsche Vollintegrantin wie z.B. Naika Foroutan oder gestern die Kronzeugin der Anklage alias Nazan Eckes. Es ist schön, wenn man seine (Vor)urteile von anderen bestätigt bekommt. Auch Henkels Skepsis gegenüber der grenzenlosen Euro"rettungs"strategie teile ich voll. Auch hier werden wir desinformiert. Wir retten nicht die Iren, sondern Banken, die ihren Sitz in Irland haben, weil man da so herrlich wenig Steuern zahlen muss und deutsche Banken dort angeblich mit 138 Milliarden Euro engagiert sind. Der „gemeine" Ire ist nur der Dumme. Gerettet werden andere. Ich werde ja auch nicht gerettet, wenn die Regierung Milliarden in das HypoRealEstate-Grab schaufelt, sondern ich bin der Dumme, auf dessen Buckel die Bankster die Folgen ihrer Gier und ihres Versagen abladen können. Wir sitzen alle im selben Boot, ob Griechen, Iren, Spanier oder Deutsche: Mit Sozialabbau finanzieren wir das Kasino des Kapitals.
Donnerstag, 23. September 2010
Sigmar Pop
Wer meinen Senf über die Jahre verfolgt hat, der weiß, dass ich Sarrazin nicht abgeneigt bin. Meine These lautet ja, unser Staat wird von der Ober- und Unterschicht ausgebeutet. Die „Mittelschicht“ (das ist nicht der Mittelstand. Der Mittelstand gehört zur Oberschicht) zahlt das Spiel. Dabei stellt die Unterschicht die Mehrzahl der Personen und die Oberschicht die Menge des Geldes = im günstigsten Fall nur durch nicht gezahlten Steuern, im schlimmeren Fall durch Abzocke von öffentlichen Geldern, Beispiel „alles M….., oder was?“, die auch wieder der Mittelstand zahlt.Wie schon zweimal gesagt, hat der, rhetorisch nicht gerade hochbegabte, Sarrazin einiges mehr auf dem Kasten als viele seiner Kritiker. Einer davon ist der Dampfplauderer Sigmar, der sehr polemisch versucht hat, Sarrazin in eine Ecke zu stellen, in die er nicht gehört. Mir sollte mal jemand erklären was an dessen Erwiderung rassistisch, elitär, und was weiß ich noch alles, ist. Sigmars Titulierung, er bereite „Hassprediger“ den Boden, finde ich als Totalentgleisung. Hier dazu noch ein schöner Artikel.
Dienstag, 14. September 2010
Mainstreamer und Arschkriecher
Manchmal findet man Menschen, die sprechen einem aus dem Herzen, wie man so schön sagt. Andere sprechen die politisch-korrekte Leersprache, die darin besteht, dass Nullinformation mit maximalem Wortgepansche gepaart wird. Solche Sätze werden nirgends Anstoß erregen und damit kann man Bundeskanzlerin oder Außenminister werden. Wer diese Sprache beherrscht, der macht Karriere und bleibt Bundesbanker bis er tot umfällt. Schande für das Restkollegium dieser Bank, die alle kein Rückgrat besitzen und nicht mal merken, wie sie von der Politik mißbraucht wurden (warum gibt es da keinen "Politischen Mißbrauchs"-Paragrafen im StGB?). Wer schreibt eigentlich dazu mal was in unserer Presse über diese Pudding-Connection? Nicht Sarrazin, sondern dessen Kollegen sind die tragischen Figuren - und nach meiner Meinung - charakterlose Gesellen.Unsere politisch Korrekten sind aus dem selben Holz geschnitzt, wie die, die nach der Machtergreifung in jedes braune Arschloch gekrabbelt sind. Widerlinge ohne eigene Meinung, die über jeden Nonkonformisten herfallen, wie Schmeißfliegen über einen neuen Scheißhaufen. Leider zeichnen sich die Grünen in dieser Beziehung als besonders große Schleimer aus. Altkommunist Trittin und Künast, die ich ansonsten als hervorragende Politikerin schätze, haben da auch keine gute Figur gemacht. Wo bleiben die Werte Meinungsfreiheit und Toleranz? Jeder Idiot kann in Amerika zur Bibelverbrennung aufrufen oder den Holocaust und was weiß ich noch alles leugnen, warum nicht hier? Wäre es nicht die Aufgabe dieser ehemaligen Ökofuzzies, die bürgerlichen Grundrechte, wie sie im Grundgesetz deklamatorisch stehen, mal hier ins reale Leben einzuführen?
Ich habe zwar nicht Sarrazins Buch gelesen, aber dafür seinen Artikel im Letttre International. Dieser ist von so hoher Qualität und Niveau, was zeigt, dass Sarrazin, trotz seiner Kauzigkeit und Fehlens rhetorischer Qualitäten, intellektuell der Mehrzahl seiner Kritiker überlegen ist.