Beiträge zum Stichwort »Oligarchen«
Samstag, 05. Mai 2012
Von allen guten Geistern verlassen
Die deutsche Innenpolitik ist so langweilig (Herdprämie), weil die wirklichen Probleme (der Umgang mit den Finanzgangstern) nicht angepackt werden. Wer darüber was schreibt, der polarisiert sofort und das schafft Unfrieden. Lasst uns doch ein Thema finden, das alle erfreut und das positive Stimmung schafft. So ein Hype wie mit dem Eisbären Knut ist dafür das beste Beispiel. Da kann man Wochen berichten, ohne Verärgerungen oder Proteste zu generieren. Win-Win heißt das dann. Falls nichts Gutes da ist, dann sucht man sich was, das unsere Empörungsinstinkte mobilisiert. Dazu reicht diese elendige Timoschenko. Weil sie so schön bieder, wie einst ein deutsches BDM-Mädel, aussieht, kann diese Frau ja nichts schlimmes gemacht haben (interessiert ja auch kein Schwein) und alle haben sie lieb. Die Illner (diese austauschbare Klofrau) macht darüber sogar eine Sendung und der mediengeile Tochter wird da sogar noch eine Plattform geboten. Dieser Timoschenkohype ist nach meiner Meinung das widerlichste, was uns seit Jahren aufgetischt wird. Ist es denn Aufgabe der deutschen Politik, sich für Oligarchen und Kleptokraten einzusetzen? Und was mich am meisten interessiert: wer zahlt eigentlich die Kosten des Charite-Mediziners? Ist es nicht schön, dass sich deutsche Chefärzte um Kriminelle in ausländischen Gefängnissen kümmern? Und dann wird noch einen draufgesetzt: Ein Staat, der herrenlose Hund tötet, kann kein guter Staat sein. Guantanamo ist zwar nicht schön und Folter müsste da auch nicht sein, aber HUNDE? Das geht ja wirklich nicht. Ein echtes Betätigungsfeld für Charity-Schnallen aus aller Welt. Früher haben sie ihre Untertanen geknechtet und heute setzen sie sich für die armen Hunde ein. Mein Gott, was haben wir für ein Volk, das sich diese Scheiße gefallen lässt. ... und das darf auch noch wählen!Und damit eines klar ist: Die Canaille sitzt zu recht. Hier dazu ein Artikel aus einer Schweizer Zeitung vom Februar und hier eine wahre Fundgrube: da kann die 176 Seiten umfassende Anklageschrift der Amis als PDF runtergeladen werden..
Montag, 30. April 2012
Da sitzen noch zu wenige
Welcome im deutschen Mikrokosmos. Nach 18 Tagen in Indien, ohne einen einzigen Tag Sehnsucht nach Internet oder Emails gehabt zu haben, bin ich wieder hier. Den Grass haben sie aus dem Dorf gejagt und die neue Sau heißt jetzt Julija Tymoschenko. Jeder verfasst seinen eigenen Boykottaufruf. Da darf natürlich der farblose Norbert Röttgen auch nicht fehlen. Jeder in der Betroffenheitsrepublik will dabei sein. Nein, nicht dass unsere Edelkicker dort nicht antreten sollen - das ginge ja zu weit - unsere reisefreudige Politprominenz soll fern bleiben und das wäre ja auch gut so. Weshalb soll die Qualitätskanzlerin, oder der Ramsauer, der gerne auf Steuerzahlerkosten die Welt bereist zu diesem Spektakel reisen, wofür ich eigene Euros ausgeben müsste?Jetzt mal im Ernst. Weshalb wird um diese Ziege so einen Bohai gemacht? Weil sie so ein unschuldiges blondes Liebchen ist oder ihre glamouröse Tochter sich auch medial gut in Szene setzen kann? Die gehört hinter Gittern, genau wir ihr Gegenpart, der eben jetzt mal oben ist. Die „liebe" Julija hat mit harten Bandagen gekämpft war selbst nicht sehr zimperlich, wenn es um die Ausschaltung von Kritikern und Gegner ging. Wenn jemand aus „einfachen" Verhältnissen in Nullkommanix zur Milliardärin wird, dann ging das nicht unbedingt mit rechten Dingen zu. Aber weshalb mischt sich unsere Politmischpoke da schon wieder ein? Da sitzt keine Mutter Theresa ein.
Fazit: Sollen unsere Qualitätspolitiker mit dem Arsch mal daheim bleiben und wenn dazu die Timoschenko dafür als Begründung dienen muss, dann meinetwegen, aber ich werde keinen Fackelzug für sie veranstalten und dass sie sitzt, ist nach meiner Bewertung nicht unbedingt ein Justizirrtum. Von diesen Kleptokraten müssten noch einige mehr hinter Gitter, wenn man diesem fünf Jahre alten Artikel Glauben schenkt. Originell wäre gewesen, wenn man einige Vorschläge für weitere Verhaftungen gemacht hätte. Ich hätte da einige Namen nennen können, aber mich fragt ja mal wieder keiner.
Montag, 26. September 2011
Kleptokraten und ihre Bewunderer
Als ich 1992 zum ersten Mal in Russland war, habe ich gleich erkannt, dass der „Kommunismus" ein für alle mal beseitigt war, denn die Funktionäre haben den Staatsbesitz unter sich aufgeteilt und die stoische Masse, hat wie seit Jahrhunderten üblich, immer einen in die Fresse bekommen, wenn sie aufmuckt. Das Putin/Medwedjew-Spielchen ist der arrogante Höhepunkt dieses Zarenverhaltens und die orthodoxe Kirche, dieses Popenpack kuscht, wie immer und wie sie es schon bei den Zaren gemacht hat. Die Kleptokraten, die in Russland Oligarchen heißen, plündern gnadenlos den Staat aus und das Volk kuscht. Die One-Man-Show des einstigen KGB-Spions ist schon beachtlich. Nicht fassen kann ich bis heute, dass ein gewisser Gerhard Schröder besagten Oberkleptokraten als „lupenreinen" Demokraten bezeichnet hat. Oder noch widerlicher der kürzlich im Fernsehen gezeigte Spot, wo besagter Schröder dem Lupenreinen noch anbiedernd um den Hals gefallen ist. Was so ein Gaspromjob in einem Kleinhirn alles an Schaden verursachen kann.
Donnerstag, 27. Januar 2011
Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht
Das erste Drama, das wir in der Schule lesen mussten (ich sage mussten, denn interessiert hatte das Thema damals keinen), war Wilhelm Tell von Schiller. In der Rütliszene hat Schiller das auf den Punkt gebracht, was mir bis heute (damals wusste ich das allerdings nicht) ein Anliegen ist:„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, | wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, | wenn unerträglich wird die Last - greift er | hinauf getrosten Mutes in den Himmel, | und holt herunter seine ew'gen Rechte, | die droben hangen unveräußerlich | und unzerbrechlich wie die Sterne selbst - | Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, | wo Mensch dem Menschen gegenübersteht - Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr | verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben - | Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen | gegen Gewalt
Aus diesem klassischen Grunde freut es mich, dass die Tunesier, auch ohne Schiller, den Tyrannen zum Teufel gejagt haben. So möge es allen Tyrannen und Despoten der Welt ergehen, die meinen, dass die Sonne nur aus ihrem Arschloch scheint. Hoffentlich gelingt es den Ägyptern, den Kuhstall (Muh-Barrack, Kalauer komm her) zum Teufel zu jagen.
Jeden Monat einen, das wäre doch ein schönes Ziel? Aber was machen wir mit Russland, dem Land der Oligarchen und Kleptokraten? Wenn man sieht, welches Vokabular die Herren Putin und Medwedew benutzen, der kann ermessen, wie dort geholzt wird. Dieses Russland macht mir Angst. Die beiden verlieren im Volk an Zustimmung - aber was heisst das schon in diesem gigantischen Reich, in dem die Leute noch nie frei denken und handeln konnten und wo sich nur die Farbe der Knute geändert hat?
Freitag, 29. Oktober 2010
Russische Demokratie
1992 war ich in Tscheljabinsk. Das ist eine Stadt mit mehr als einer Million Einwohner und liegt im Ural. Die damaligen Eindrücke waren überwältigend, aber auch sehr befremdlich, wenn man die damalige „Demokratisierung“ des Landes so verfolgen konnte. Alle Funktionäre haben sich die Betriebe unter den Nagel gerissen. Privatisierung bedeutete, dass Staatsvermögen mehr oder weniger in Privattaschen gewandert ist. So entstanden die Plutokraten und Oligarchen. Die Fachleute unterscheiden noch zwischen Jelzin- und Putin-Oligarchen. Dass Chodorkowski im Knast sitzt ist zwar prinzipiell richtig, aber da gehört wahrscheinlich die gesamte russische Führungselite hin. Man kann nur den Kopf schütteln, wenn man sieht, wie Putin die Fäden zieht. Da wird der Sobjanin als Bürgermeister von Moskau „gewählt“ und der alte (Luschkow) abgesetzt, weil der entweder zu reich oder zu frech geworden ist. Das Land wird vom feinsten ausgeplündert und die heutigen „Eliten“ verhalten sich ähnlich, wie der russische Adel nach dem Wiener Kongress. In der Oktoberrevolution hatte man mit diesem Pack kurzen Prozess gemacht. Und jetzt?Im Juni hatte ich in Sardinien diese Yacht gesehen und mich gefragt, wem die wohl gehören mag. Hier die Antwort: dem Oligarchen Usmanov. Durch fleißige oder ehrliche Arbeit ist der auch nicht zu seinem Vermögen gekommen.