Beiträge zum Stichwort »Friede Springer«

Mittwoch, 04. Januar 2012

Wulff mal sachlich

Normalerweise liebe ich Ironie, Spott und auch mal den Holzhammer, aber mit der Wulff-Affäre bin ich richtig überfordert. Ich versuche mal meine Gedanken in eine Reihenfolge zu bringen:

1) Der SPIEGEL war schon seit zwei Jahren dran, einen Einblick ins Grundbuch zu bekommen. Dies wurde erst per Gerichtsbeschluss (!) im August 2011 erlaubt. Das heißt, Pinocchio (alias Wulff) wusste schon früh, dass da was im Busch war, da es ein Gerücht gab, Wulff hätte das Haus von einem befreundetem Unternehmer gekauft. Dies erwies sich als falsch. Durch das juristische hin und her wurde BILD aufmerksam und wollte wissen, wer gab die Kohle? Das ist ja alles gut und schön, aber weshalb wird aus dieser vergleichbaren Fliege ein Elefant gemacht?

2) Wulff quatscht noch in unvergleichlicher Dummheit VOR (!) der ersten Veröffentlichung seine Drohungen auf den Anrufbeantworter von Kai Diekmann und telefoniert noch mit Mathias Döpfner, dem Axel-Springer-Chef und das schlimmste von seinen superdoofen Handlungen: mit Friede Springer, die wahrscheinlich als erstes ihre Freundin Angela anrief und fragte: „Angela, da hat mich gerade dieser Parvenue aus Bellevue angerufen und mit „Krieg" gedroht. Hat dieser Wicht sie noch alle? Ausgerechnet der? Was meint er eigentlich, wer er ist?"

3) und da fehlt mir ein Glied in der Kette: Weshalb steht Angela anfänglich noch zu der Lichtgestalt, obwohl sie wusste, dass es noch schlimmer kommen wird?

Bellevue4) Erste Pressekonferenz, die schon mit Wahrheit und Aufklärung wenig zu tun hat. Wulff guttenbergt (= zugeben nur, was nicht mehr zu leugnen ist) nur rum. Die aufgetischten Lügen verbiegen sogar die Balken von Bellevue (siehe Foto).

5) Die BILD-Zeitung lädt genüsslich nach. Schön gemütlich, man lässt die Festtage und Neujahr vorbeigehen und dann folgt der nächste Schuss in die Zwölf: Die Geschichte mit dem Anrufbeantworter. Dort ist die Blödheit akustisch dokumentiert. Das buche ich mal unter der Persönlichkeit von Kai Diekmann ab. Wenn da so ein Fuzzy, der nur durch BILD und BUNTE dorthin gekommen ist, wo er ist, auf einmal meint, er könnte auf einmal den Spieß umdrehen, dann ist Schicht im Schacht. Da schnappt einer nach seinem Herrchen! Da hat doch einer zuviel „Nordkorea" geguckt und gedacht, er sei der „Geliebte Führer". Dieser Wichtigtuer kam einem, der mit den Großen der Welt verkehrt (Kohl war bei ihm Trauzeuge) gerade richtig. Beim Krieg Diekmann vs. Wulff gibt es nur einen Loser!

Ein Blick in die Zukunft: Wulff erklärt jetzt alle vierzehn Tage, dass ihm alles leid tut, was in den letzten vierzehn Tagen ans Tageslicht kam. Die Betroffenheit und Reue ist ihm anzumerken (er hat mittlerweile einen Personal-Trainer, der mit ihm diese Mimik täglich einstudiert) und von Termin zu Termin wird es besser. Das geht so lange, bis eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird und jeder sich mit dieser Nulllösung in Bellevue abgefunden hat und keiner mehr auf die Pressekonferenzen kommt und auch die Rentner News nicht mehr berichten. Dann touren die beiden Turteltäubchen noch bis zum Ende seiner Amtszeit (2015) ein bisschen auf Steuerzahlers Kosten durch die Welt und genießen dann bis ins hohe Alter die üppige Apanage. Ich bin richtig neidisch.

Und hier das, was ich nicht verstehe: Weshalb wird wegen dieser anfänglichen Petitesse so einen Aufstand gemacht und zwar von unserer Qualitätspresse, die sich ansonsten dadurch auszeichnet, dass aus charakterarmen Personen auf einmal Lichtgestalten gezaubert werden? Ich kann mir bis jetzt keinen Reim darauf machen. Warum wurde Wulff plattgeklopft? Olaf aus Berlin hat mich auf diesen Artikel hingewiesen. Die erwähnte Rede kann man hier finden, die sogar die FAZ beachtenswert fand.

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Donnerstag, 06. Oktober 2011

Piraten an Bord

Die Piraten werden jetzt von der Qualitätspresse hochgehypt. Bald wird Mann und Frau die Marina Weisband (das ist die mit der Timoschenko-Frisur in Kleid und Pumps) in allen Talkshows sehen, denn sie soll nebenbei auch noch druckreif formulieren können. Der geneigte Leser fragt sich, warum die Medien das so machen. Hier die Antwort. Frau Merkel weiß, dass die schwarz-gelben Tage gezählt sind. Ihre NettovomBrutto-Truppe wird, wenn überhaupt, nur noch spärlich im nächsten Bundestag vertreten sein. Die SPD ist zwar blöd (das sieht man jetzt bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin), aber nicht saublöd (wer weiß?) und wird als Juniorpartner nicht zur Verfügung stehen. Die Ossitante weiß, dass nur die durch Wowereit frustrierten GRÜNEN ihr helfen können. Ihre Atomkraftwerkvolte war der Beginn der Liebesgrüße aus der Uckermark. Und jetzt kommen die anderen Parteien ins Spiel. Die LINKE ist ein desolater Haufen und die haben keinen, den man zeigen könnte. Die Wiederbelebungsversuche an Lafontaine erinnern mich eher an Heesters. Eine gute Alternative wäre Dietmar Bartsch, aber den kennt keine Sau und er hat in Moskau promoviert. Also müssen jetzt die Piraten her. Vom anarchistischen Freiheitsverständnis betrachtet, werden viele Altlinke und APO-Großväter diese Partei wählen, die jetzt umfragemäßig bei schon bei 7 bis 8 Prozent liegt. Die Wähler werden also eher aus der linken Ecke kommen und so die SPD schwächen, denn das vorhandene Führungspersonal dieser Partei törnt eher ab. Wer will den Sigmar Pop oder die Apparatschiks wie Steinmeier oder Steinbrück, auch wenn sie der Bundesplappertante geistig um einiges überlegen sind? Also haben die Damen Friede Springer und Liz Mohn beim Kaffeekränzchen im Kanzleramt beschlossen, die Piratenpartei hochzuhypen. So einfach ist das. Nebenbei mir ist die Marina sympathischer als die Andrea - aber ich bin ja nur ein Mann.

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