Beiträge zum Stichwort »Iran«
Freitag, 03. Februar 2012
Die spinnen, die Spinndoktoren
In den letzten Wochen habe ich mich über das Syrien-Bashing unserer Qualitätsmedien geärgert. Wer mit dem Sektglas in der Hand über Assad herzieht, ist bei jedem Smalltalk auf der sicheren Seite und das ohne Unterschied ob rechts, öko oder links. So hatte ich vor vier Wochen geschrieben. Unsere Medien machen die Meinung. Wer das Verb „berichten" im Zusammenhang mit „Presse" benutzt, hat den Schuss noch nicht gehört. Die Zeiten, wo die Presse mit echten Reportern von irgend etwas berichtet, die sind längst vorbei. Die Redaktionen sind leer und irgendwelche Dauerpraktikanten (die heißen dort Volontäre) verarbeiten mit copy + paste die Agenturmeldungen der DPA zu Presseartikel, die wir dann anschließend glauben. Die DPA selbst, schreibt das ab, was die selbsternannten Führer in London in alle Welt faxen (hier steht, wie das geht). Wenn ich jetzt schreibe, dass Assad die Mehrheit seines Volkes hinter sich hat, dann fliegen schon virtuelle Südfrüchte in meine Richtung, weil das nicht in das, von unseren Medien erzeugte Denkschema passt. Wenn es einer, wie Todtenhöfer, doch mal schafft und ein differenzierteres Bild zeichnet, dann ist es erstens eine Nadel im Heuhaufen und ausschließlich der Tatsache zu verdanken, dass dieser Mann bekannt ist. Andere fliegen sofort durch die Pendeltür, wenn sie mit einem Bericht aufwarten würden, dass die Rebellen Erdölleitungen und Gleiskörper sprengen und die sogenannte freie syrische Armee sich größtenteils aus den von Libyen eingeflogenen Mudschaheddin und Al Qaida-Kämpfern rekrutiert, die großzügigerweise von unseren Verbündeten in Katar unterstützt werden und die den Auftrag haben, das Regime zu destabilisieren.Interessanterweise hat eine Stiftung, die Quatar foundation, eine Studie veröffentlicht, die hier runtergeladen werden kann und da liest man auf Seite 11 (Fußnote), dass 55% der Syrer Assad unterstützen. Wo sind jetzt unsere gutmenschelnden Demokraten, die so gerne die Mehrheitsmeinung respektieren (... allerdings nur, wenn diese in den eigenen Kram passt)?
Ich kann sogar mit noch besseren Dingen aufwarten. Unsere Spindoktoren bereiten eine Meinung vor. Bestes Beispiel ist eine Meldung wie diese. Also wird Israel demnächst (im Bericht heißt es April, Mai Juni) den Iran angreifen. Dann kommt es nicht überraschend, denn unsere Medien haben das ja quasi schon kommen sehen (selffullfilling prophecy nennt man das) und weil das schon vorher laufend zu lesen war, ist jeder froh, wenn es endlich passiert. (Das ist der Wulffgewöhnungseffekt: da könnte jetzt noch rauskommen was will, es interessiert keinen mehr. Jeder wartet auf die nächste Sau im Dorf).
Warum darf Israel das? Weil der böse Ahmadinedschad in Kürze die Atombombe hat und dann alles zusammenbombt, was da kreucht und fleucht. Rettung in letzter Sekunde (das Zählwerk bleibt bei 007 stehen). Dank dem Internet (deshalb soll ja auch mittels ACTA dieses Medium platt gemacht werden, wenn es nach diesem christdemokratischen 'Schloch ginge) kann man ja mal unsere recherchewütige Presse durchforsten und siehe da, wir finden einen Bericht im SPIEGEL. Iran steht offenbar kurz vor Bau einer Atombombe, heißt es da und das Qualitätskäseblatt FOCUS ist da schon einen Schritt weiter: Iran hat die Atombombe. Jetzt schaut mal auf das Datum. Der Spiegelbericht ist acht Jahre und der vom FOCUS über 18 Jahre alt. Das nenne ich Qualitätsberichterstattung. Noch Fragen? Spin doctor schreibt man zutreffenderweise besser so: Spinndoktor.
Donnerstag, 10. November 2011
Iran und die Internationale Atomenergie-Organisation
Die IAEA ist ja eine tolle Organisation und sie bekam 2005 unter dem damaligen Leiter El Baradei den Friedensnobelpreis. Dieser sehr integre Mann hat seine Aufgabe sehr objektiv durchgeführt und hat auch sehr energisch auf Fälschungen reagiert, die ihm Geheimdienste unterjubeln wollten. Vor achteinhalb Jahren (!) haben die üblichen Verdächtigen, die auch die Massenvernichtungswaffen-Fakes geliefert haben, versucht, dem Irak einen zu lappen. Damals berichteten noch unsere Qualitätsmedien darüber, wie hier und hier in der FAZ. Damals wurde auch an Kriegsgründe gebastelt. Nebenbei, es ist der gleiche El Baradei, der in der ägyptischen Revolution Mubarak zum Rücktritt aufgefordert hatte. El Baradei hat es als Spielverderber bei den Amis verschissen. Was machen die dann? Sie entschuldigen sich? Nee, man wirft mit Dreck:Im Dezember 2004 wurde bekannt, dass El-Baradei von den USA systematisch belauscht wurde. Er zeigte sich empört, zumal er bislang zwar wusste, dass die USA gegen ihn arbeiteten, jedoch nicht, dass die Regierung der USA einen Eklat riskieren und ihn belauschen würde. Er vermutet, dass die US-Regierung den illegalen Lauschangriff benutzen wollte, um belastendes Material zu finden, mit dem es möglich gewesen wäre, ihn zu erpressen und aus dem Amt zu drängen. (aus Wikipedia).
2005, als die Welt merkte, wie es um die „Kriegsgründe" der USA bestellt war, hat man ihn einstimmig wiedergewählt. Heute wird er (unser Köhler Horst hat ihm sogar
das Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland umgehängt) von der zionistischen Clique als „iranischer Agent" massiv angegangen, während die USA etwas zurückhaltender sind.
Als Nachfolger El Baradeis hat man dann vor zwei Jahren einen unterwürfigeren Japaner (und Freund Bushs) in Kampfabstimmung gewählt: Yukija Amano. Dessen Unterwürfigkeit hat WikiLeaks belegt, der Guardian berichtete vor einem Jahr darüber:
Amano reminded [the] ambassador on several occasions that he would need to make concessions to the G-77 [the developing countries group], which correctly required him to be fair-minded and independent, but that he was solidly in the U.S. court on every key strategic decision, from high-level personnel appointments to the handling of Iran's alleged nuclear weapons program.
Lest Ihr diese Recherche in unserer Qualitätspresse? Natürlich nicht und genau das ist es, was mich an der Journaille - höflich formuliert - so stört. Die faulen Ärsche sitzen bei Rotwein mit den Spindoktoren und schreiben genau das, was sie sollen, zeigen keine Hintergründe auf und tragen so zur Volksverdummung bei. Ich frage mich, was die auf ihren Journalistenschulen lernen. Vor einem Jahr war dieser Artikel zu lesen, der hellseherisch das voraussagte, was ein Jahr später passieren wird.