Beiträge zum Stichwort »Katar«
Donnerstag, 23. Februar 2012
Toleranz bis zur Selbstaufgabe
Es gibt ja Gegenden in der Welt, da steht auf der Verbrennung des Korans die Todesstrafe. Ich weiß nicht, ob das für die Verbrennung der Bibel nicht auch mal galt. Wundern würde es mich nicht, denn Herrschaft braucht Verbote und Strafen. Wer also einen erschlägt, weil er den Koran verbrannt hat, handelt „gerecht". Das Menschenleben ist also weniger wert als ein Koran, der gerade aus der Druckerpresse gekommen ist. Man kann ja die Wertigkeit in einer Gesellschaft so setzen und wenn alle meinen, das ist so richtig, kann man darauf ein Gesellschaftssystem aufbauen. Aber wer zwingt mich dazu ohne Not, dieses Wertesystem zu akzeptieren? Ich bin froh, dass es bei uns (noch) nicht so ist. Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass es so bleibt. Mir fehlt jede - ich betone JEDE - Toleranz gegen ein Wertesystem, dass ein gedrucktes Blatt Papier wertvoller als ein Menschenleben einstuft.Wenn „Religionsaustritt" in Katar als Kapitalverbrechen gilt, dann mag das dort angehen, wenn die meinen, dass das so sein müsste, aber ich verwahre mich gegen jede Art von „Belehrung" über Demokratie in Syrien vom dortigen Königshaus. Die sollen, bitteschön, erst mal selbst ihre Hausaufgaben machen. Nur weil das Staatsoberhaupt Hamad bin Chalifa Al Thani mit seinem Geld sich alle und alles kauft (Fußballweltmeisterschaft, Kandidat für Olympia) saugt der ganze Westen an dessen Schwanz. Geld stinkt ja nicht.
Ich finde auch nicht toll, dass das ZDF einer Nahla Osman Sendeplatz für ein Syrienlamento gibt, und nur Kopftuchfrauen und die Revolutionsflagge grün-weiß-schwarz im Hintergrund hängt. Bin mal gespannt, was Frau Osman in einem Jahr sagt.
Zum Ausklang ein sehr guter Artikel aus The Gulf Today von Robert Fisk. Ein Journalist wie er sein sollte und von denen es nur noch sehr wenige gibt.
Freitag, 03. Februar 2012
Die spinnen, die Spinndoktoren
In den letzten Wochen habe ich mich über das Syrien-Bashing unserer Qualitätsmedien geärgert. Wer mit dem Sektglas in der Hand über Assad herzieht, ist bei jedem Smalltalk auf der sicheren Seite und das ohne Unterschied ob rechts, öko oder links. So hatte ich vor vier Wochen geschrieben. Unsere Medien machen die Meinung. Wer das Verb „berichten" im Zusammenhang mit „Presse" benutzt, hat den Schuss noch nicht gehört. Die Zeiten, wo die Presse mit echten Reportern von irgend etwas berichtet, die sind längst vorbei. Die Redaktionen sind leer und irgendwelche Dauerpraktikanten (die heißen dort Volontäre) verarbeiten mit copy + paste die Agenturmeldungen der DPA zu Presseartikel, die wir dann anschließend glauben. Die DPA selbst, schreibt das ab, was die selbsternannten Führer in London in alle Welt faxen (hier steht, wie das geht). Wenn ich jetzt schreibe, dass Assad die Mehrheit seines Volkes hinter sich hat, dann fliegen schon virtuelle Südfrüchte in meine Richtung, weil das nicht in das, von unseren Medien erzeugte Denkschema passt. Wenn es einer, wie Todtenhöfer, doch mal schafft und ein differenzierteres Bild zeichnet, dann ist es erstens eine Nadel im Heuhaufen und ausschließlich der Tatsache zu verdanken, dass dieser Mann bekannt ist. Andere fliegen sofort durch die Pendeltür, wenn sie mit einem Bericht aufwarten würden, dass die Rebellen Erdölleitungen und Gleiskörper sprengen und die sogenannte freie syrische Armee sich größtenteils aus den von Libyen eingeflogenen Mudschaheddin und Al Qaida-Kämpfern rekrutiert, die großzügigerweise von unseren Verbündeten in Katar unterstützt werden und die den Auftrag haben, das Regime zu destabilisieren.Interessanterweise hat eine Stiftung, die Quatar foundation, eine Studie veröffentlicht, die hier runtergeladen werden kann und da liest man auf Seite 11 (Fußnote), dass 55% der Syrer Assad unterstützen. Wo sind jetzt unsere gutmenschelnden Demokraten, die so gerne die Mehrheitsmeinung respektieren (... allerdings nur, wenn diese in den eigenen Kram passt)?
Ich kann sogar mit noch besseren Dingen aufwarten. Unsere Spindoktoren bereiten eine Meinung vor. Bestes Beispiel ist eine Meldung wie diese. Also wird Israel demnächst (im Bericht heißt es April, Mai Juni) den Iran angreifen. Dann kommt es nicht überraschend, denn unsere Medien haben das ja quasi schon kommen sehen (selffullfilling prophecy nennt man das) und weil das schon vorher laufend zu lesen war, ist jeder froh, wenn es endlich passiert. (Das ist der Wulffgewöhnungseffekt: da könnte jetzt noch rauskommen was will, es interessiert keinen mehr. Jeder wartet auf die nächste Sau im Dorf).
Warum darf Israel das? Weil der böse Ahmadinedschad in Kürze die Atombombe hat und dann alles zusammenbombt, was da kreucht und fleucht. Rettung in letzter Sekunde (das Zählwerk bleibt bei 007 stehen). Dank dem Internet (deshalb soll ja auch mittels ACTA dieses Medium platt gemacht werden, wenn es nach diesem christdemokratischen 'Schloch ginge) kann man ja mal unsere recherchewütige Presse durchforsten und siehe da, wir finden einen Bericht im SPIEGEL. Iran steht offenbar kurz vor Bau einer Atombombe, heißt es da und das Qualitätskäseblatt FOCUS ist da schon einen Schritt weiter: Iran hat die Atombombe. Jetzt schaut mal auf das Datum. Der Spiegelbericht ist acht Jahre und der vom FOCUS über 18 Jahre alt. Das nenne ich Qualitätsberichterstattung. Noch Fragen? Spin doctor schreibt man zutreffenderweise besser so: Spinndoktor.
Freitag, 13. Januar 2012
Was hat der Wulff beim Emir gemacht?
Es dauert ja noch ein Weilchen, aber dann wird bei schönem Wetter in der Fußballnation Katar richtig heiß gekickt (oder umgekehrt). Bis dahin haben auch die Taliban in diesem Emirat ihr Büro eröffnet (vielleicht fliegt unser Bundespräsident runter und hält die Eröffungsspeech, das macht er ja gerne) und die werden dann abends mit ihren Geschäftsfreunden aus aller Welt die Kicker der Welt bestaunen. Für die Vergabe der WM gehört der Blatter eigentlich ... (Zensur). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und weil wir gerade bei Korruption sind, der starke Mann dieses 70x160 km großen Staates ist Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani. Er kauft sich alles, was er will und wen er will. Interessant ist dessen Vita: er hat kurzerhand 1995 gegen seinen Vater geputscht, als er gerade mal weg war. (Dat hätte der Philpp mal gegen dat Lisbett mache solle). Das war im Mittelalter bei uns auch so und weil wir gerade beim Mittelalter sind, die Verhältnisse sind dort noch so - politisch meine ich. Wer was Böses gegen Allah sagt, der wandert für sieben Jahre in den Kaschot. Zu kamelle hat nur er, ausschließlich er. Er verkörpert sein 1,7 Millionen-Volk als virtueller Demokrator und er unterstützt mit seinen Petrodollars nicht nur die Fußballer vom FC Malaga, sondern auch gerne Muslime, die dafür kämpfen, dass alles schön demokratisch wird, d.h. nach dessen Vorstellung, dass der fundamentale Glaube mehrheitlich abgesichert wird und dekadente Entwicklungen, wie Menschen- oder Frauenrechte (sind eigentlich Frauen nicht bei den Menschen enthalten?) nicht überborden. Das wird demnächst in Libyen zu bestaunen sein. Er bestimmt, wie und wann dem syrischen Assad die Luft abgedreht wird, weil dieser einen Staat verkörpert, der noch - welch Anachronismus - für die Trennung von Religion und Saat ist. Das sagt er natürlich nicht so banal, sondern er ist für den arabischen Frühling: ein kleines Revolutiönchen gegen den Tyrannen (da hat dieser Tyrann sogar recht) und schwuppdiwupp haben wir die Muslimbrüder demokratisch legitimiert an der Macht und die tanzen dann nach seiner Pfeife. Natürlich macht er das nicht alleine, sondern sein Premier- und Außenminister und Mitglied der königlichen Familie, Hamad ibn Dschasim ibn Dschabir Al Thani, hilft da via Arabische Liga mit. Die bestimmt, was Sache ist und wenn das Fernsehen Al Jazeera schlimme Berichte aus Syrien bringt, dann kann zwar leicht mal ein Fake durchrutschen, aber dann wird es eben auch für Assad schlimm. Schön das Al Jazeera zufälligerweise dem o.g. Emir gehört. Vielleicht hat Wulff das kürzlich bei seinem Besuch in Katar wissen wollen, wie man das so macht. Ein deutsches Al Jazeera: Die Freunde von Wulff legen alle zusammen, gründen eine Zeitung und Fernsehstation und berichten dann pausenlos über die Verfehlungen der anderen - nur nicht über die von Wulff. Oder: was Berlusconi in Italien, ist der Scheich in Katar. Im Gegensatz zu dem italienischen Großkotz, muss sich der aber nicht wählen lassen, sondern aufpassen, dass keiner seiner sechs Söhne putscht, wenn der beim Gegenbesuch in Bellevue weilt.Und wenn dann Assad in seiner am 10. Januar gehaltenen Rede sagt:
We were part of the Ottoman Empire and we had the first parliament which we are concerned with in one way or another. The first parliament was opened in the year / 1877 / and if we put this aside, the first parliament in Syria was in 1919; this means less than a century ago. Therefore, imagine these countries that want to advise us about democracy! Where were these countries at that time? Their status is like the status of a smoking doctor who advises the patient to quit smoking while putting a cigarette in his mouth.
Dann hat er absolut Recht, aber mit dieser Bemerkung braucht er sich nicht zu wundern, dass ihm der Scheich um den Hals fällt - im Gegenteil. Weshalb aber der Westen - und damit meine ich die Mainstreampresse in den Natostaaten - Syrien verurteilt, aber Katar hofiert, das habe ich noch nicht durchschaut.
Ich danke Alfred Hackensberger für diesen guten Artikel, und der ist aus der WELT! Meine Meinung: Der sogenannte arabische Frühling ist eher der islamische Frühling und der bringt eher die Scharia und nicht die Demokratie, wetten?
Dienstag, 10. Januar 2012
Auf, auf zum Kampf - gegen Syrien
Ich habe mich gestern intensiv mit Syrien beschäftigt und es ist nicht lustig, wenn man das Gefühl hat, wir werden mal wieder in Richtung „Krieg gegen das Unrechtsregime in Syrien" manipuliert. Erfreulich ist, dass der heutige Artikel in der ZEIT viele Zuschriften bekam, in denen ähnliches Unbehagen geteilt wird. Kritische Berichte, weshalb Syrien da rausgeguckt wurde, findet man selten. Dankenswerterweise hat ein Leserbriefschreiber diesen Artikel aus der WELT (Chapeau) verlinkt. Aus katholischen Kreisen weiß ich, dass die Christen da unten alle Schiss haben. Wenn Assad weg ist, geht es denen nämlich gewaltig an den Kragen und unsere „christliche" Presse und Medien leisten da noch Vorschub. Hier erklärt Frau Clinton, wie die Al Qaida von den USA erfunden wurde und jetzt wird diese Bande via Strolche von Katar wiederbelebt, um den letzten laizistischen Staat in Nahost platt zu kloppen. Mir ist das alles sehr suspekt, zu simpel.Als ich vor Wochen den ersten Artikel las, der sich kritisch mit unseren Medienberichten über die Situation in Syrien befasste, dachte ich noch, na ja, mal wieder eine neue Verschwörungstheorie. Jetzt weiß ich, dass es keine Verschwörungstheorie ist, sondern eine Verschwörung und zwar eine gegen Syrien. Einer der großen Protagonisten ist ja der oberste NATO-Fuzzy Rasmussen, der keine so gute Presse hat - allerdings in Österreich (Anm. gerade gefunden) und nebenbei, bei der österreichischen Presse findet man manche Meldung, die es bei uns nicht über den Redaktionstisch schafft. Als Hommage an die Pressefreiheit: hier eine halbe Stunde Film - aus dem ORF - wo dokumentiert wird, wie Werbeagenturen uns kriegsreif machen. Daran denken, wenn Ihr wieder Berichte aus Syrien und Iran hört, denn keiner der meinen Blog liest, kann anschließend sagen, er hätte von nichts gewusst! Besonders hellhörig werden, wenn die Namen Burhan Ghalioun vom Syrischen Nationalrat (SNC) oder Rami Abdel Rahman, dem Oberguru der Londoner One-man-show, die sich Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte nennt, fallen.
P.S. In dem Film kommt die Werbeagentur Hunzinger vor. Wegen enger Bindung zu Scharping (ähnlich Maschmeyer Schröder/Wulff) musste Scharping gehen!