Beiträge zum Stichwort »Zensur«

Montag, 27. Februar 2012

Keine ZEIT mehr

DIE ZEIT war einst eine schöne Zeitung. Sie hat facettenreich berichtet und man konnte auch über Dinge lesen, die abseits getrampelter Wege lagen. Meine Erfahrungen mit diesem Blatt sind leider düster. Ich hatte ja hier zum ersten Mal berichtet, wie DIE ZEIT mit ihren Lesern umgeht. Mein Leserkonto wurde ohne Vorankündigung gesperrt. Beschwerden können an die community@zeit.de gerichtet werden und jetzt kommt der Witz: von dort kriegt man von der gleichen Person die Antwort, über die man sich eigentlich beschwert hat. Das ist schon ein tolles ausgeklügeltes System. Darauf muss man erst mal kommen. Aber jetzt zur Fortsetzung:

Eine erneute Email an Frau Franziska Kelch, in der ich meine Fakten mit Quellen belegte, wurde nicht beantwortet.

Dann schrieb ich am 17. Januar 2012 einen Brief an den Chefredakteur der ZEIT ONLINE, Herrn Wolfgang Blau. Dieser Brief wurde nicht beantwortet. Ebenso wenig wie das Erinnerungsschreiben vom 2. Februar. Für die schreibende Zunft ein Armutszeugnis. Was macht eigentlich dieser Herr Blau? Ist Nomen Omen?

Dann schrieb ich am 13. Februar einen Brief an die Geschäftsführung der ZEIT ONLINE, an die Herren Dr. Rainer Esser und Christian Röpke. Dort hat man sich zum ersten Mal wenigstens mit der Sache auseinandergesetzt und am 16. Februar mal in meinen Account reingeschaut, was der Herr Chefredakteur Blau vorher nicht für nötig befand. Dieser Ansatz ist löblich. Dass die Antwort dann aber bunkermentalitätsmäßig ("Wir haben Ihr Anliegen an die verantwortliche Redaktion weitergeleitet und die Rückmeldung erhalten, dass diese bei ihrem Standpunkt bleibt") ausfiel, fand ich schade.

Ich verfolge weiterhin die Syriendiskussionen bei der ZEIT und kann mittlerweile auch eine eigene, nichtrepräsentative, Statistik vorlegen, die teilweise einen Zensuranteil von über 25% (!) Prozent pro Artikel hat. Als Oberzensoren betätigen sich gerne die Kürzel vn, lv oder mk.

Am schönsten sind die Kommentare, mit denen die Zensur begründet wird. Ich habe ja im früheren Eintrag schon einige Sätze zitiert, aber diesen Satz fand ich besonders toll: Bitte belegen Sie Ihre Tatsachenbehauptungen mit seriösen Quellen. Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Wenn der Minishop „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" in Gestalt des Rami Abdel Rahman, der in Coventry sitzt, einen fahren lässt - und das ist laufend der Fall, dann berichten das unsere Mainstreamer sofort und ungeprüft. Schema: Jede Art von Terror wird sofort den Assad-Leuten in die Schuhe geschoben. Der hat das Gewaltmonopol und der erschießt aus purer Langeweile seine eigenen Bürger, legt die eigenen Städte in Schutt und Asche und sprengt Eisenbahnen und Pipelines. Hinterfrage ich dieses kritisch und berufe mich u.a. auf das Protokoll der Arabischen Liga, dann ist das anscheinend eine unseriöse Quelle. Arabische Liga ist ja nur akzeptiert, wenn der Demokratiefreund aus Katar über Assad herzieht. Hat jemand von Euch nur einen Satz davon gelesen, dass die Rebellen z.B. wahllos auf Busse geschossen haben? Natürlich nicht. Das hat aber die Arabische Liga in ihrem letzten Bericht geschrieben, der aber in keiner Mainstreamzeitung abgedruckt wurde (hier Ziffer 25). Da steht auch, dass die Beobachter der Auffassung sind, dass der französische Journalist Gilles Jacquier von Rebellen getötet wurde (Ziffer 44). Das hat so nur der konservative Figaro im Westen berichtet.

Meine Vermutung: irgendwo bei der ZEIT sitzt einer, der die Parole ausgegeben hat, dass Syrien kaputt geschrieben werden muss. Ich habe jedenfalls keinen einzigen Artikel in letzter Zeit gefunden, der eine andere Meinung vertritt.

Nicht berichtet wird auch über den Verfassungsentwurf, den Assad zur Abstimmung vorgelegt hat, weil der überhaupt keine Rolle mehr spielt. Die Verfassung ist von vornherein Scheiße, nur weil sie von Assad kommt. Wer sie mal lesen will, der findet sie hier.

Ich finde es verantwortungslos, dass die Bevölkerung Syriens als Spielball benutzt wird, nur um Interessen durchzusetzen, die sich mir noch nicht erschließen. Ich weiß nur, dass der letzte laizistische Staat im nahen Osten mit Hilfe unserer Waffen und Presse - und da besonders durch DIE ZEIT - dem Untergang geweiht ist und anschließend der Einzug der Muslimbruderschaft und der Scharia als arabischer Frühling gefeiert wird. Geht's noch?

Weitere Zensurkritiken sind im Netz vorhanden. Hier, hier und hier sogar einer von der Piratenpartei.

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Montag, 16. Januar 2012

Eine Zensur findet selten nicht statt

Artikel 5 (1) GG: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Das ist die Theorie. Die Praxis kann man dann testen, wenn man die Berichterstattung zu Syrien liest und dann besonders wenn man wagt, via Leserbrief seine abweichende Meinung kundzutun. Schlechte Erfahrungen habe ich mit FOCUS gemacht. Ich stelle mir das so vor, dass am PC ein Volontär (= Praktikant mit keinen oder nur geringen Bezügen) sitzt, dem gesagt wird, pass auf, da kommen so viele gestörte Leserbriefe, bzw. Leserbriefe von gestörten Leuten rein und Du musst nur die sinnigen durchlassen. Das bedeutet in der Praxis, dass Da eine Netiquette ist, die eingehalten werden muss. Ich erkläre mal, wie das so geht.

1) Wer zum Beispiel den Emir von Katar als Arsch bezeichnet, der wird schon rausgeschmissen, auch wenn es stimmt. Das ist ja vielleicht einsehbar, weil man auch über Tyrannen nur höflich schreibt, es sei denn es sind die vom CIA gestempelten Mitglieder der Achse des Bösen, dann gilt das Gegenteil: Über Hitler, Stalin, Ahmadinedschad oder Assad darf man beleidigendes schreiben, nein, man muss es sogar. Wer nur ein leises Wort des Verständnisses für sie äußert, der fliegt raus. Wenn man schreibt, dass da einer mit roten Schühchen in Rom rumhüpft, der behauptet der Stellvertreter Jesu Christis zu sein, fliegt raus, auch wenn es so ist. Wer schreibt, dass Assad der größte Verbrecher in Nahost ist, der fliegt - nicht raus.

2) Wer irgend etwas leugnet, was man nicht leugnen darf, der wird auch rausgeschmissen (d.h. mit seiner Theorie, dass sich die Erde um die Sonne dreht, hätte Galilei es bei keiner Zeitung in die Leserbriefspalte gepackt, weil er geleugnet hätte, dass die Erde im Mittelpunkt steht).

3) Wer andere Leserbriefschreiber verunglimpft, der fliegt raus. Da wird es besonders schwierig. Da kann man, auch bei dem größten Blödsinn - und den gibt es reichlich, nicht einfach schreiben. Du häs doch ene Ratsch im Kappes und dann wäre der Fall erledigt, nein. Da muss man die Diplomatensprache bemühen. Ein Beispiel, was wie das geht habe ich hier gefunden. Vertiefendes gibt es hier.

4) Dann eine große Hürde: Das geistige Niveau des Zensors. Ist es etwas, was er kapiert, aber nicht will, dann fliegst Du raus. Ist es etwas, was er nicht versteht, dann fliegst Du ebenfalls raus. Schwierig wird es mit Ironie. Das erkennt das Jungvolk mit der Zensurschere nur sehr schwer und mit Satire braucht man gar nicht erst zu kommen. Diese Generation kennt nur Comedians und kein politisches Kabarett und da kein Lacher bei der email eingespielt werden kann, wird Satire nicht erkannt. Die Profileserbriefschreiber wissen das und schreiben am Schluss immer „Vorsicht Satire" oder was ähnliches hin, damit die Zensoren das kapieren.

5) Wer bis dahin alles geschafft hat, der hat es - fast - geschafft, denn dann kommt die größte Hürde: Die Selbstverliebtheit der Journalisten. Jeder Journalist ist per se der Größte. Was er schreibt ist nach der Tontafel mit den 10 Geboten das allerwichtigste. Der Journalist darf gnadenlos über jeden herfallen („Herr Bundespräsident, war der Eisbecher, den sie damals aßen mit oder ohne Sahne") und jeden fertig machen, sei es gerechtfertigt oder nicht. Was er aber gar nicht mag ist, WENN JEMAND SEINE KOMPETENZ BEZWEIFELT. Das geht wirklich nicht. Ein Journalist lässt sich auch durch Tatsachen nicht von seinen Vorurteilen abbringen. Das wird so nicht direkt zugegeben, sondern verpackt. Das hört sich dann so an:

Sehr geehrter Herr Wehr, wir haben das Profil gesperrt, da Sie den Moderatoren immer wieder durch Netiquetteverstöße wie Beleidigungen, unsachliche Wortwahl oder pauschale Unterstellungen westliche Medien würden nur "Propaganda" oder "Desinformation" betreiben, aufgefallen sind.

Einen solchen Brief von FOCUS, das hätte ich ja noch akzeptiert, denn die Leserbriefe, die dort veröffentlicht sind, spiegeln auch die Langeweile dieses Qualitätsblattes wider. Der STERN lässt keine Leserbriefe mehr zu (die sparen sogar an den ärmsten der Armen, den Praktikanten. Schämt Euch). Der SPIEGEL ist mir - erstaunlicherweise noch nicht negativ aufgefallen. Sogar das Handelsblatt veröffentlicht Zuschriften, von denen ich es nicht gedacht hätte. Auch bei der Rheinischen Post und bei der Süddeutschen geht das einigermaßen. Aber jetzt kommt der Hammer.

The Winner und Meisterzensor aller Klassen ist: DIE ZEIT.
Das tat mir weh, denn ich hatte noch unlängst mich lobend darüber ausgedrückt, dass die ZEIT ein übersichtliches Leserbriefmanagement hat und die Leserbriefe gleich veröffentlicht (und nicht erst freigeschaltet werden müssen, wie bei anderen). Auch die Art und Weise der Löschung ist der Hammer: ohne Vorankündigung und man kann nicht mal mehr sehen, was man sonst so geschrieben hat.
Zeit1Beschweren über die Sperrung kann man sich auch, aber dann kriegt man die Begründung von der gleichen Person, die einen auch rausgeschmissen hat (siehe Kürzel). Tolles System, könnte auch von Assad stammen. Kybernetisch könnte man das ein sich selbst kontrollierendes System nennen. Vielen Dank Frau Franziska Kelch. Ihr journalistisches Selbstverständnis wird mir für immer in Erinnerung bleiben, aber ich glaube, Journalismus haben sie nicht studiert, oder? Dann sollte die ZEIT vielleicht mal für Sie einen Grundkurs spendieren. Was gutes hat die Sache auch. Wenn man „die redaktion/fk" googelt, dann stellt man fest, dass ich nicht der einzige bin, der sich über diese Dame wundert (um netiquett zu bleiben). Zensurfranziska ist auch unrühmlich in diesem Blog aufgefallen: Meinungsmanipulation bei der Zeitung "Die Zeit" und gleich fünf mal ist die Dame hier vertreten, oder auch hier. Auch die haben sich über diese Frau beschwert (siehe Abbildung). Vielleicht ist die Dame auch überfordert? Um allen ZEIT-Lesern mal einen kleinen Leitfaden an die Hand zu geben, wie man erreicht, dass ein Leserbrief die Zensur von Franziska Kelch überlebt, habe ich hier mal auf die Schnelle einiges zusammen gestellt. Allerdings ist das nur ein kleiner Überblick, der vielleicht bei Gelegenheit ergänzt wird.

Kalauer der Woche: Wer war der erste Leserbriefschreiber der ZEIT?
Antwort: Jesus. Er sagte: „Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!"

Leitfaden für Leserbriefe an die ZEIT:

Bitte unterlassen Sie Deutungen historischer Ereignisse, die im Namen des NS begangene Handlungen glorifizieren.

Bitte äußern Sie sich in Kommentaren zum Thema des Artikels - die Konjunktur des Rechtspopulismus und die Verortung Sarrazins in diesem Diskurs.

Die Kommentarfunktion ist zur Diskussion der Artikelinhalte - ist Sarrazin der deutsche Wilders - vorbehalten.

Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten auf Äußerungen, die von anderen Kommentatoren lediglich als Provokation aufgenommen werden.

Bitte verzichten Sie auf pietätlose Kommentare, in denen Menschenleben gegeneinander aufgerechnet werden.

Bitte unterlassen Sie rassistisch motivierte Kommentare. Derartige Sichtweisen möchten wir in dieser Community nicht verbreiten.

Bitte unterlassen Sie das Veröffentlichen brisanter Informationen welche zu gesellschaftlichen Spannungen führen und das interkulturelle Zusammenleben gefährden.

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